Film „Mutter, Mutter, Kind“: Beweggründe für unsere moderative Begleitung des Screenings

Da es einige Rückfragen gab:

Als Arbeitsbereich Regenbogenfamilien des rubicon hatten wir uns entschieden, das Screening des Films „Mutter Mutter Kind – Let’s do this differently“ von Annette Ernst am 10. Oktober 2022 in Köln moderativ zu begleiten. Das Screening selbst und das anschließende Q&A-Gespräch mit der Regisseurin war bereits im Vorfeld durch den Filmverleih organisiert worden.

Wir können nachvollziehen, dass über den Begriff der Kooperation der Eindruck entstanden ist, wir würden den Film unkritisch befürworten und unterstützen. Unser Ansinnen war jedoch die – wie wir finden auch dringend notwendige – kritische Begleitung und diskursive Einbettung des Films. Über eine hetero- und cisnormativitätskritische sowie diskriminierungssensible Moderation sahen wir die Chance gegeben, einerseits Stimmen des Films Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen, die im gesellschaftlichen Diskurs kaum oder gar nicht gehört werden: den Stimmen der in Regenbogenfamilien lebenden Kinder. Andererseits sahen wir die dringende Notwendigkeit, queerfeindlichen Passagen des Films etwas entgegensetzen zu müssen bzw. in einen Austausch mit der Regisseurin über Beweggründe für bestimmte Entscheidungen zu gehen und diese infrage zu stellen. Darüber hinaus leiteten wir das Screening mit einer Content Notification bezüglich der enthaltenen Homo- und Transfeindlichkeiten ein.

Als Fachkräfte zum Thema Regenbogenfamilien und lebensweltliche Expert*innen sehen wir es als unsere Verantwortung an, in Diskurse zu intervenieren und mediale Repräsentationen nicht unkommentiert zu lassen. Filme als Teil medialer Diskurse sind in vielfacher Hinsicht ambivalent und sollen mitunter anregen zu kritischer Rezeption – neben durchaus gelungenen Dekonstruktionen tradierter Vorstellungen und berührenden Einblicken in lebensweltliche Praktiken queerer Menschen, sind immer wieder auch homo- und transfeindliche Äußerungen im Film enthalten: hier gilt es weiterhin diese aufzuspüren, zu benennen und kritisch zu kommentieren.

Unser Ansinnen war es die – wie wir finden auch dringend notwendige – kritische Begleitung und diskursive Einbettung der Filmpremiere in Köln zu initiieren.
Wir bedauern, dass bei einigen Regenbogenfamilien der Eindruck entstanden ist, dass wir den Film unkritisch befürworten und unterstützen und möchten uns für diese unbeabsichtigte Wirkung entschuldigen.